STEINWACHS · Wir leisten mehr als RechtPersönlich erreichbar · 040 4153 7117-0

Typische Anwaltsfehler

Frist versäumt: Wann haftet der Anwalt?

Eine versäumte Frist kann einen Anspruch oder ein Rechtsmittel gefährden. Für den Regress müssen jedoch Fristenfehler, Rettungsmöglichkeiten und der hypothetische Erfolg getrennt geprüft werden.

Welche Frist war betroffen?

Zunächst ist zwischen einer gerichtlichen Frist, einer gesetzlichen Rechtsmittelfrist, einer materiellen Ausschlussfrist und Verjährung zu unterscheiden. Die Rechtsfolgen und mögliche Abhilfen sind nicht identisch. Ausgangspunkt sind Zustellungsunterlagen, der konkrete Fristbeginn, der erteilte Auftrag und der tatsächliche Eingang der erforderlichen Handlung.

Lässt sich der Nachteil noch verhindern?

Bei bestimmten versäumten Prozessfristen kommt Wiedereinsetzung nach §§ 233 ff. ZPO in Betracht. Sie setzt unter anderem fehlendes zurechenbares Verschulden voraus; anwaltliches Verschulden wird der Partei nach § 85 Abs. 2 ZPO zugerechnet. Ein Regressanspruch ersetzt die Prüfung einer noch möglichen Rettung des Ausgangsverfahrens nicht.

Ein Fristenfehler beweist den Schaden noch nicht

Hätte eine rechtzeitig eingereichte Klage oder Berufung keinen Erfolg gehabt, fehlt es möglicherweise an dem geltend gemachten Forderungsschaden. Anders können zusätzliche nutzlose Kosten zu beurteilen sein. Der tatsächliche Verlauf ist mit dem rechtmäßigen Alternativverlauf zu vergleichen (§§ 249, 280 BGB). Bei Verjährungsrisiken hebt der BGH die Pflicht zur Darstellung des sichersten Wegs hervor (Urteil vom 19.09.2024 – IX ZR 130/23).

Die digitale Versandakte gehört dazu

Bei elektronischen Schriftsätzen sind Versandprotokolle, Eingangsbestätigungen und gegebenenfalls Fehlermeldungen entscheidend. Ein im Entwurfsordner vorhandener Schriftsatz oder ein bloßer Versandversuch belegt noch keinen wirksamen Eingang. Die Unterlagen sollten im Originalformat und mit nachvollziehbaren Zeitangaben gesichert werden.

Für Ihre Vorbereitung
  • Zustellungsnachweis und gerichtliche Fristsetzung
  • Vollständiger Schriftsatz mit Versand- und Eingangsprotokoll
  • Unterlagen zu Erfolgsaussichten und Rettungsversuchen

Gesetzliche Grundlagen und Rechtsprechung

Die verlinkten Vorschriften und Entscheidungen ermöglichen die weitere Einordnung. Maßgeblich bleiben Auftrag, Sachverhalt und Rechtslage im konkreten Fall.

Der nächste Schritt

Sie vermuten einen Anwaltsfehler?

Schildern Sie uns den Vorgang und nennen Sie mögliche laufende Fristen. Gemeinsam klären wir die Grundlage für eine Prüfung.